Mai 28

Im Schatten ihrer Militärjets stehen die Piloten, ganz wie Tom Cruise in seiner Rolle als verwegender Navy Pilot “Maverik” und schauen hinter verspiegelten Fliegerbrillen verträumt in die Ferne – Top Gun auf der Baustelle Schönefeld.
Doch neben coolen Typen und viel Militärtechnik ist auf der auf der diesjährigen Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) oder neudeutsch “Airshow” in Berlin auch mehr zu sehen.

Über 1100 Aussteller aus 37 Ländern kommen zusammen, um sowohl geschäftliche Kontakte zu knüpfen, Abschlüsse zu tätigen und natürlich auch ihre Produkte einer großen Öffentlichkeit zeigen zu können.

Wie auch bei der letzten ILA vor zwei Jahren steht auch diesmal der neue A 380 von Airbus im Mittelpunkt des Interesse. Das beeindruckend große Flugzeug besticht bei den Flugvorführungen durch seine doch große Wendigkeit und seinen leisen Antrieb.

Darüber hinaus wurden über 300 Fluggeräte am Boden und in der Luft gezeigt. Die Palette reichte von Ultraleichtfliegern und historischen Maschinen über Hubschrauber und Düsenjets bis hin zu den “Giganten der Lüfte”, dem Airbus A 380 und den Transportflugzeugen Boeing C-17 und Antonov 225.

Mai 27

Im Morgengrauen überraschten Steuerfahnder der Bochumer Staatsanwaltschaft Klaus Zumwinkel in seiner Villa in Köln. Ziel der Durchsuchung war es, Anhaltspunkte und Beweise für eine mögliche Steuerhinterziehung zu bekommen.

Soweit nichts besonderes – es wird wohl einige  Menschen geben, welche morgesn Besuch von der Steuerfahndung bekommen - dafür gibt es schließlich die Steuerfahndung. Es wird aber wohl nur wenige geben, deren Durchsuchung vor laufenden Kameras ablaufen – so geschehen aber bei Klaus Zumwinkel, dem ehemaligen Vorstandschef der Deutschen Post, geachteter Manager und Mitglied diverser Aufsichtsräte.

Ob die Vorwürfe und sichergestellten Akten für eine Anklage reichen? Noch hüllt sich die Staatsanwaltschaft in Schweigen.
Nicht in Schweigen haben sich die Medien gehüllt. Im Gegenteil, ganze Fotostrecken der Verhaftung wurden veröffentlicht und die Medien überschlugen sich mit einer Berichterstattung.

Hinweise auf die in Deutschland geltende Unschuldsvermuetung fielen der journalistischen Verkürzung zum Opfer. Die vom Presserat propagandierten ethischen Grundsätze für Journalismus wurden allensfalls am Rande beachtet.

Zumwinkel war und ist eine Person des öffentlichen Leben. In dieser Rolle muss er natürlich auch eine Berichterstattung über sein Leben in einem gewissen Maße erdulden. Ob dies aber die öffentliche Vorverurteilung, Mißachtung der Privatsphäre und öffentliche Anprangerung mit einschließt, ist eine Frage, welche sich die Medien durchaus selbst stellen sollten.

Darüberhinaus stellt sich die Frage, ob die Medien hier nicht zu einem Instrument der staatsanwaltlichen Ermittlungen geworden sind. So waren, glaubt man den Berichten, die Medien noch vor den Ermittlern vor Ort. Und es waren nicht nur Vertreter des Boulevards, sondern auch öffentliche-rechtliche Fernsehanstalten – diese sogar mit einem eigenem Übertragungswagen.
Kurz nach Beginn der Durchsuchung konnte bereits erste Bilder live gezeigt werden.

Der Staatsanwaltschaft war dies natürlich sehr recht. Durch diese massive mediale Aufmerksamkeit wurden sicherlich viele potentielle Steuersünder zur Selbstanzeige bewegt.
Wenn es aber darum geht, den medialen Pranger aufzustellen, sollten die berichteten Medien aufpassen, dass sie nicht zu Erfüllungsgehilfen der Staatsanwaltschaft werden. Dieser ist es natürlich mehr als recht, wenn die Medien breit berichten – eine größere Ab- und Aufschreckung können sie sich natürlich nicht wünschen. Im Gegensatz zu den Medien ist die Staatsanwaltschaft aber auch nicht dazu verpflichtet, journalistische Ethik und Sorgfalt anwenden zu müssen.
Die Medien selbst sind aber dazu verpflichtet! Daher haben die Medien auch die Pflicht, diese anzuwenden und nicht, wie im Fall Zumwinkel geschehen, Informationen ungefragt zu übernehmen und nur eine Sichtweise der Dinge zu berichten.

Selbst wenn sich herausstellt, dass die Durchsuchung nicht das gewünschte Ergebnis brachte und Klaus Zumwinkel nicht verurteilt wird, ist Klaus Zumwinkel medial bereits hingerichtet und verurteilt. Und dies sollte bei einem guten Journalismus nicht passieren!

Mai 22

Joris Luyendijk - Wie im echten Leben: Von Bildern und Lügen in Zeiten des Krieges

Joris Luyendijk - Wie im echten Leben

“Ein Buch über den Nahen Osten musst du in der ersten Woche schreiben. Je länger du dich hier rumtreibst, desto weniger kapierst du.”

Dieses Zitat stammt aus dem Buch des niederländischen Journalisten Joris Luyendijk.
Wer daraufhin sein Buch „Wie im echten Leben“ liest, stellt sehr schnell fest, dass dieses erst nach einem fünfjährigen Aufenthalt im Nahen Osten geschrieben worden ist. So merkt man dem Buch den Versuch an, die komplexen Verhältnisse im Nahen Osten einfach und anschaulich unter dem Stichwort „Medien“ verdeutlichen wollen.
In weiten Teilen gelingt dies auch gut, was das Buch zu einem lesenswerten Buch über die Rolle der Medien im Nahen Osten macht. Dass es mitunter zu journalistischen Verkürzungen und teilweise auch starken Vereinfachungen kommt, ist dem geringen Umfang (137 Seiten) des Buches und der Komplexheit des Themas geschuldet.

Luyendijks Einblick auf die journalistische Arbeit im Nahen Osten macht deutlich, wie gezielt dort Themen zu Nachrichten inszeniert werden und wie beide Seiten des Konflikts versuchen, ein bestimmtes, für sie positives, Medienbild zu prägen.

Indem sich der Autor sehr kritisch mit der Rolle der Medien auseinandersetzt, werden dem Leser die Augen geöffnet und dieser erhält eine klarere Vorstellung über die Krisenherde dieser Welt.

In den Niederlanden löste dieses Buch eine Breite Diskussion über die Rolle der Medien aus. Leider ist es der deutschen Ausgabe wohl nicht vergönnt, eine ähnliche Diskussion hier in Deutschland auslösen zu können.

Interessant ist auch hier übrigens das Titelfoto. Auf der rechten Seite des Bildes kniet DIE Ikone der Krisen- und Kriegsfotografie James Nachtwey neben vielen anderen Fotografen und wartet auf den Steinwurf. Also solche Ikone werden zu einem Teil der Medieninszenierung…

Das Buch ist im Tropen Verlag (ISBN-10: 3932170253) erschienen, kostet 19,80 €.

Meine Empfehlung lautet: kaufen und lesen!

 

Mai 21

Nachrichtenagenturen haben in unserer medialisierten Welt eine nicht zu unterschätzende Macht. Erst durch sie werden Themen zu Nachrichten. Wird ein Thema nicht von einer Agentur aufgenommen, hat es wenig Chancen, in einem Leitmedium erwähnung zu finden.
Die Auswahl der Nachrichten erfolgt von den Nachrichtenagenturen frei und unabhängig jeder staatlichen Kontrolle, auch wenn viele von ihnen zu einem erheblichen Teil aus staatlichen Mitteln finanziert werden.

In Frankreich entbrannte jetzt ein Streit darüber, ob die staatliche Nachrichtenagentur AFP Pressemitteilungen der Regierungspartei UMP sofort als “Tickermeldung” weiterleiten muss, oder ob ihr auch diesbezüglich ein Auswahlrecht zustehe.
So hatte die AFP eine Pressemitteilung der UMP nicht weiterverbreitet, da sie in dieser keinen Nachrichtewert sah.
Dies führte zu heftigen Reaktionen und AFP wurde durch die Regierungspartei aufgefordert, sich so zu organisieren, dass staatliche Meldungen unverzüglich weitergeleitet werden können. Sollte dies nicht geschehen, käme dies einer Zensur durch die Nachrichtenagentur gleich.
Auf Seiten der AFP hieß es dazu, man sei kein Maschine zur Verbreitung von Kommuniques, sondern müsse diese auch immer auf den Nachrichtenwert prüfen. Etwas drastischer formulierten es die NGO “Reporter ohne Grenzen”: Nachrichtenagenturen sind kein Anschlagbrett für Meldungen der Regierung.

Ich denke mit dieser Einstellung liegen die Nachrichtenagenturen richtig. Sie haben eine gar nicht hoch genug einzuschätzende Machtposition und diese unabhängig vom Staat ausüben zu können ist eines der Wesenselemente eines demokratischen Rechtsstaat.
Würden sie blind alle Meldungen des Staates weiterverbreiten, besteht die Gefahr, dass  sie zu einem staatlichen Propagandainstrument verkommen können.
Quelle: dpa Medien

Mai 20
Bilder der Inzestopfer
icon1 Tim M. Hoesmann | icon2 Bildjournalismus, Meinung | icon4 05 20th, 2008| icon3No Comments »

Für ein Bild der Inzestopfer von Amstetten werden mittlerweile bis zu einer Millionen Dollar geboten. Für eine solche Summer Geld sind viele Fotografen bereit, auch weit über die Grenze eines ethisch sauberen Journalismus zu gehen.

Wie der Spiegel berichtet, hat sich auf der Jagd nach einem Bild von den Opfern ein Fotograf unerlaubt Zutritt auf das Klinikgelände verschafft. Als der Fotograf von einem Wachmann verfolgt wurde, hat er diesen mit einem Schlagstock angegriffen. Wohlgemerkt - der Fotograf hat den Wachmann angegriffen! Nach Angaben der Klinik habe es bereits zwanzig ähnliche Vorfälle gegeben, bei denen allerdings niemand zu Schaden kam. Die Klinik wird, so berichtet der Spiegel, mittlerweile von Elitepolizisten bewacht.

Wenn die Gier nach einem Bild so groß wird, dass neben der eigenen Gesundheit, auch die Gesundheit dritter bewusst gefährdet wird, kommt für mich die Frage auf, ob ein auf diese Art und Weise erlangtes Bild überhaupt gedruckt und veröffentlicht werden sollte.
Sollte es nicht vielmehr auf den Seiten der Medien eine Übereinkunft geben und die Bilder nicht gedruckt werden - damit würde automatisch der Druck ausbleiben und eine entspanntere Berichterstattung möglich sein. So hat der Fall Kampusch gezeigt, dass eine solche Strategie für alle Seiten von Vorteil sein kann.

Doch die Medien fahren im Falle von Amstetten eine ihrer üblichen Doppelstrategien. Auf der einen Seite schreiben und berichten sie, wie wichtig es für die Opfer ist, dass sie in Ruhe gelassen werden und sich unter Betreuung außerhalb der Öffentlichkeit mit den Taten auseinandersetzen können.
Auf der anderen Seite gieren sie förmlich nach einem Bild der Opfer, um damit einen neuen Aufmacher zuhaben. Ein nicht zu klärender Widerspruch!
Keine Frage, ein öffentliches Interesse besteht an den Bildern, aber rechtfertigt dieses, dass Menschen verletzt, Opfer gefährdet und alle journalistischen Grundsätzen mißachtet werden?

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