Bildjournalismus

Der Bereich “Bilder” wird in unserer medialen Welt immer wichtiger. Ohne Bilder ist es nicht mehr oder zumindest nur sehr schwer möglich, einen Text für größerer Publikum interessant zu machen. Selbst traditionelle Medien, wie zum Besipiel die “FAZ” und auch “Die Zeit” nutzen mittlerweile Bilder auf wichtiges Element auf ihren Titelseiten. Eine Webseite ohne Bilder ist heute gar nicht mehr vorstellbar.

Die Informationsflut rollt unaufhaltsam auf uns zu und über uns hinweg. Diesen Fluss zu kanalisieren ist die Aufgabe guter Journalisten und Bildjournalisten.Daher sollte für Bildjournalisten dies eigentlich der Beginn eines goldenen Zeitalters werden.

Leider ist genau das Gegenteil der Fall. Immer höherer Kostendruck, Einsparungen an allen Ecken und auch der aufkommende “Leserjournalismus” bedrohen das traditionelle Geschäft der Bildjournalisten.

Wurden früher noch Photographen mit einem Flugticket, einem kleinem Budget und der Maßgabe, mal nach drei Wochen ein paar Bilder aus einem fernen Winkel der Welt in die Redaktion zu schicken, ausgestattet, sieht heute die Arbeitswelt gänzlich anders aus.

Ausgestattet mit modernster digitaler Technik, einem Laptop und einem Satellitentelefeon werden Bildjournalisten schnell in Krisengebiete geschickt. Binnen kürzester Zeit müssen Sie Bilder aus der Region in die Redaktion schicken – am Besten in Echtzeit. Für eine Recherche bleibt da keine Zeit. Vielmehr werden schnell die Bilder produziert, welche in der Redaktion gesehen werden sollen.

Hier nur eine kurze Übersicht über die einige Szenarien

Krieg in Afrika = Kind mit Gewehr

Unruhen in Nahen Osten = steinewerfende Jugendliche

Proteste im Tibet = irgendwas mit Mönchen

Umweltkatastrophe = Verteilung von Hilfsgütern

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Ob diese Bilder aber dem tatsächlichen Geschehen vor Ort entsprechen? Keine Ahnung…. Sie entsprechen aber dem, was wir erwarten zu sehen.

Von den Mächtigen vor Ort wird diese Erwartungshaltung natürlich sehr gerne genutzt  und für die eigenen Zwecke verwendet. Ein Musterbeispiel dafür ist der Nahe Osten.
Das Internet-Magazin telepolis hat zu diesem Thema bereits ausführlich und umfangreich berichtet. Aktuell sei nur auf den Aufsatz   “Gesteuerte Realitäten” von Oliver Eberhardt verwiesen.

Doch auch hier direkt vor Ort, hier in Deutschland, ist der gute Bildjournalismus bedroht. Hier spielt natürlich auch wieder Zeitdruck eine Rolle – kaum eine Redaktion kann es sich noch leisten, einen Fotografen mit einer langen Recherche zu beauftragen und ihn von anderen Aufgaben freizustellen.

Doch im Inland macht sich eine ganz andere Art der Bedrohung breit – der “Leserjournalist”!

Im Bereich der Blogszene begrüße ich ganz ausdrücklich die Möglichkeit, das jeder interessierte Mensch die Möglichkeit erhält, sich mit seinen Texten und Bildern einer potentiell großen Masse präsentieren zu können.

Sobald es aber darum geht, dass Photos dieser „Leserreporter“ in Standardmedien eingesetzt werden, sehe ich darin eine Bedrohung für den qualitativen Journalismus.

Auch wenn ein guter Bildjournalist wenig Zeit hat, so hat er doch die journalistische Ausbildung und Routine, zu wissen, was er wie, wann und warum fotografiert. Einem „Leserjournalisten“ fehlt diese zur Gänze.

Ein sehr deutliches Beispiel ist bei den Maikrawallen in Hamburg aufgetreten. Ein “Leserjournalist” der Bild Zeitung hat einFoto eingereicht, welche eine vermummte Gestalt zeigt, wie sie eine brennende Jacke o.ä. vor ein Auto hält. Vom “Leserjournalist” kam die Information, dass die Person die Jacke in das Auto stopfte. Genauso wurde dies auch publiziert.
Diese Aussage ist FALSCH.

Genau das Gegenteil war der Fall. Der Jugendliche holte die Jacke wieder aus dem Wagen heraus, um ein Abbrennen zu verhindern. Den gesamten Sachverhalt und auch weiterführende Bilder finden Sie beim “Bildblog“.

Einem Bildjournalisten wäre ein solcher Fehler nie unterlaufen.

So wird aber dem Leser eine falsche Realität vorgespielt  und dieser mit falschen Tatsachen quasi belogen.

Es bleibt im Ergebnis somit festzuhalten, dass durch den fortschreitenden Medienfluss leider kein goldenes Zeitalter gekommen ist - weder für den Bildjournalisten, noch für den Leser.

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